.:lebenswaise:.

von woelfen und schafen und anderen ueberfaellen des taeglichen lebens



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Kluge Worte zur Schreiberszunft

Was könnte er aber als Gelehrter für ein anderes Bedürfnis haben, als seinen Geist durch alle nützliche Kenntnisse aufzuklären, und wenn er findet, daß er erleuchteter ist als andere, was folget natürlicher darauf als die Absicht, anderen seine Kenntnisse mitzuteilen, das heißt, ein Schriftsteller zu werden.


Wenn man beruecksichtigt, dass das Zitat aus Friedrich Nicolais "Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker", hrsg. von Fritz Brueggemann, stammt, ist man wohl ein wenig verwundert. (Ja, das Original ist noch ein klitzekleinwenig aelter.) Verwundert vor allem ob der idealistischen Weltsicht, die literarisch vorzufinden man wenig erwartet und doch automatisch selbst den Schreiberlingen zu unterstellen geneigt ist.

Nichtsdestotrotz holt uns selbiges Werk wenige Zeilen spaeter wieder auf den Boden der Tatsachen zurueck. Beruhigend, dass es auch "frueher" nicht besser war denn heute.

Diese Folge scheint so natürlich, gleichwohl muß sie nicht notwendig sein; denn gewiß sehr viele Schriftsteller haben nicht daran gedacht, ob ihr Geist aufgeklärt genug sei, noch weniger, ob er aufgeklärter sei als der Geist anderer Leute: und gleichwohl sind sie Schriftsteller in bester Form und, wenn Zeitungslob und Eigenlob etwas gilt, große, berühmte Schriftsteller.


An anderer Stelle finden wir einen weiteren Verweis, der nahelegt, dass auch Kurt Tucholsky Friedrich Nicolai gelesen haben duerfte - zumindest im direkten Vergleich sind die beiden Textstellen recht nahe beieinander:

Magister: Und rechnen Sie immer auch den größten Teil der ungeheur großen Anzahl von Büchern ab, mit denen vermittelst unserer Übersetzungsfabriken Deutschland überschwemmt wird.
Sebaldus: Habe ich recht gehört? Übersetzungsfabriken? Was soll denn das bedeuten?
Magister: Fabriken, in welchen Übersetzungen fabriziert werden: das ist ja deutlich.
Sebaldus: Aber Übersetzungen sind ja keine Leinwand, keine Strümpfe, daß sie auf einem Stuhle gewebt werden können.
Magister: Und doch werden sie beinahe ebenso verfertigt, nur daß man, wie bei Strümpfen, bloß die Hände dazu nötig hat, und nicht, wie bei der Leinwand. auch die Füße. Auch versichre ich Sie, daß keine Lieferung von Hemdern und Strümpfen für die Armee, genauer bedungen wird und richtiger auf den Tag muß abgeliefert werden als eine Übersetzung aus dem Französischen: denn dies wird für die schlechteste, aber auch für die gangbarstre Ware in dieser Fabrik geachtet.
Sebaldus: Alles, was Sie mir sagen, ist mir unerhört. Also gibt es unter den Übersetzungen und unter den Übersetzern auch wohl einen Rang oder Unterschied.
Magister: Allerdings! Ein Übersetzer aus dem Engländischen ist vornehmer als ein Übersetzer aus dem Französischen, weil er seltener ist Ein Übersetzer aus dem Italienischen läßt sich schon bitten, ehe er zu arbeiten anfängt, und läßt sich nicht allemal den Tag vorschreiben, an dem er abliefern soll. Einen Übersetzer aus dem Spanischen aber findet man fast gar nicht. Daher kömmt es auch, daß zuweilen Leute aus dieser Sprache übersetzen, wenn sie sie gleich nicht verstehen. Übersetzer aus dem Lateinischen und Griechischen sind häufig, werden aber gar nicht gesucht: daher bieten sie sich mehrenteils selbst an. Außerdem gibt es auch Übersetzer, die zeitlebens gar nichts anders tun als übersetzen; Übersetzer, die ihre Übersetzungen in Nebenstunden zur Erholung machen, wie die Frauenzimmer die Knötchenarbeit, Marly und Filet; vornehme Übersetzer: diese begleiten ihre Übersetzungen mit einer Vorrede und versichern die Welt, daß das Original sehr gut sei; gelehrte Übersetzer: diese verbessern ihre Übersetzungen, begleiten sie mit Anmerkungen und versichern, daß das Original sehr schlecht sei, daß sie es aber doch leidlich gemacht hätten; Übersetzer, die durch Übersetzungen Originalschriftsteller werden: diese nehmen ein französisches oder englisches Buch, lassen Anfang und Ende weg, ändern und verbessern das übrige nach Gutdünken, setzen ihren Namen keck auf den Tittel und geben das Buch für ihre eigene Arbeit aus. Endlich gibt es Übersetzer, die ihre Übersetzungen selbst machen, und solche, die sie von andern machen lassen. [...]


Tucholski schreibt:

Was wird übersetzt? Neben der Übertragung wichtiger und bedeutsamer Erscheinungen neuer und alter Zeit: wahlloser Krimskrams. Liest man so die gängige Marktware des Übersetzungshandels, so muß man doch fragen, ob wir solchen Kitsch nicht auch zu Hause fabrizieren. Und man muß antworten: wir können das sogar viel besser, weil nämlich die deutsche schlechte Literatur für Deutsche berechnet ist und hier wenigstens wirkt.[...]
Wie wird übersetzt? Nicht sehr schön. Es ist das ja eine schwere Sache, das ist wahr, und man kann sehr darüber streiten, wie eine ideale Übersetzung eigentlich aussehen soll. Soll die fremde Sprache hindurchschimmern? Soll der Sprachenkundige noch durch den Teig der Übersetzung, womit sie farciert ist, hindurchschmecken? Soll er Redewendungen anklingen hören? Den fremden Pulsschlag noch leise fühlen? Das ist die eine Möglichkeit. Oder soll sich die Übersetzung glatt lesen, so daß es ein Lob bedeuten soll, wenn einer sagt: "Man merkt gar nicht, daß das hier übersetzt ist." Das ist die andre Möglichkeit. Eines aber kann man verlangen: daß der Übersetzer beider Sprachen mächtig ist. Nicht immer ist ers.
Ich will noch gar nicht einmal davon reden, daß sich in einer Pariser Posse, die hier in Berlin läuft, die Personen mit "Mein Herr" anreden - was ja wohl in einer Gesellschafts-Konversation nicht gerade üblich ist. Aber schon Christian Morgenstern merkte in seinen herrlichen "Stufen" an, daß der deutsche Übersetzer holprig und fremd daherstelzt und, wenn er vertraulich tut, die dummen Modewörter seiner Alltagssprache gebraucht, wobei er sich denn auch noch meistens verhaut und so derb wird, wie es drüben, in angelsächschischen und lateinischen Ländern, nicht immer der Brauch ist. Man muß eben nicht nur ein Lexikon, man muß auch Fingerspitzen haben. Die meisten haben noch nicht einmal ein Lexikon.[...]


Etwas über hundert Jahre zwischen beiden - und doch ist das Urteil gleich vernichtend und einander nicht unaehnlich formuliert. Und heute? Noch einmal fast 80 Jahre spaeter?
lebenswaise am 31.1.08 16:52


Kultur, die andere

Von diversen Arten Kultur ist der Mensch ja gemeinhin betroffen oder er kennt zumindest den entsprechenden Begriff. Sei dies Sprach- oder Unterhaltungskultur, auch Ess- oder gar Wellnesskulturtrips sind dem Gemeinvermoegenden nicht vollkommen fremd. Aber was um alles in der Welt ist das hier?

lebenswaise am 26.1.08 20:54


Comeback

Fuenfhundert Kilometer fuer ein Konzert sind doch kein Umweg, oder? Zumindest, wenn man der verwegenen Idee nachkommt, einem A-Cappella-Konzert beiwohnen zu wollen, das von einem (in Zahlen 1) Menschen dargeboten werden soll. Noch mal zum Mitdenken: Wir reden von A-Cappella, also von Vokalmusik ohne instrumentalen Klangteppich. Und in diesem Fall soll ein komplettes abendfuellendes Konzert von eben dieser einen Person dargeboten und akustisch faszinierend sein. Fuer so ein Vorhaben gibt es nur zwei Moeglichkeiten: Entweder es handelt sich um den totalen Flop schlechthin oder man geht verdutzt nach Hause.

Dass die Chancen auf einen Flop relativ niedrig standen, war die Voraussetzung, mit der der geneigte Konzertbesucher kommen durfte, schlieszlich handelt es sich bei dem Auftretenden um ein Drittel der inzwischen leider aufgeloesten Schweizer Formation Hop o' my Thumb, deren letztes Konzert in Guetersloh stattfand. Gut, gerechterweise ein wenig mehr als ein Drittel, denn die Loopmachine, die bereits die "Stimmfeuer"-Show begleitete, hat ihren Weg zusammen mit Martin O. weiter beschritten. Und die Symbiose beider macht es dann moeglich: Volle Klangflaechen, Harmonien, die sich fast aus dem Nichts heraus entwickeln, fantastische Baselines, Stimmakrobatik vom Feinsten. Nichts, das der Zuhoerer und Zuschauer des Konzerts dem verschmitzt laechelnd dreinschauenden Schweizer nicht haette glauben wollen - jede Sekunde ist ein glaubwuerdiges, professionelles Stueck bester Unterhaltungskunst.

Martin O.

Es braucht nur wenige Sekunden, schon befindet sich das Publikum ganz im Banne des Solisten, der wenig redet aber desto mehr darbietet. Einen kleinen Eindruck davon vermittelt ein Soundsnippet seiner Webseite, Myster Klangwelt (mp3). Doch nicht nur die Stimme fasziniert, auch die Buehnenshow ist gut choreografiert und wirkt faszinierend natuerlich, wie man an den sehr genial zusammengeschnittenen Ausschnitten aus dem Soloprogramm in St. Gallen ein wenig erkennen mag. Und irgendwas muss dran sein an der Show - nicht immer will ein Publikum eine vierte Zugabe.
lebenswaise am 16.10.07 16:45


Das Jahr danach

Die Drohung, dass mich das reale Leben da drauszen, also das mit der Sonne und den duftenden Blumen und dem glitzernden Schnee und dem blinkenden Meer, ein- und ueberholt haette, war nicht wirklich aus der Luft gegriffen. Seitdem hat sich fast das ganze Leben umgekrempelt, es gab Dutzende wunderschoener Konzerte, rauschende Feste und all die vielen Genuesse, deren das Leben einem eben so reichhaltig zur Verfuegung stellt.

Aber nachdem ich inzwischen desoefteren gefragt werde, wie es denn meinem Blog ginge, war der Antriebsmoment grosz genug, um einen frischen Artikel zu schreiben.

Eigentlich einen Artikel, der hier auf den ersten Blick vielleicht verwirrend einsortiert erscheinen mag, blickt er doch nicht wie sonst ueblich auf Konzerte zurueck. Genau genommen handelt es sich um eine Buchreflektion.

Vor kurzem hatte ich die wunderbare Gelegenheit, Richard Powers' "Der Klang der Zeit" (ISBN 3-596-15971-7) lesen zu duerfen. Empfohlen wurde es mit der Anmerkung "Wenn du dich fuer Musik interessierst, ist das bestimmt was fuer dich." Nun - es "ist was fuer mich". Allerdings haette ich nie erwartet, das zu lesen, was ich letztlich kaum aus der Hand legen konnte.

Die Geschichte spielt in den Vereinigten Staaten des letzten Jahrhunderts, sie erzaehlt die Geschichte einer Familie. Einer farbigen, einer juedischen, einer wirklich gemischten Familie. Dabei reihen sich viele Einzelepisoden aneinander, ergaenzen sich wie die Steine eines Mosaiks, dessen Motiv und Schoenheit sich erst erschlieszt, nachdem man wirklich alle Steine beisammen und richtig geordnet hat.

Und obwohl die Schoenheit beeindruckend ist, ist die Beklemmung, die sich mit jeder Seite staerker einstellen will, kaum zu verleugnen. Seelenvoll zeichnet Powers in seinem Buch die Schwierigkeiten und Probleme, die massive Rassendiskriminierung und teilweise unbarmherzige Verfolgung der Protagonisten, ihrer Eltern und Kinder. Dabei bewegt sich sein Stil zwischen Fast-Fantastik und Reportage, laesst kaum Luft zum Atmen, laesst sich verfolgen und ist doch zugleich selbst Verfolger des Lesers.

Den Rahmen um all dies bildet die Musik. Sie entfremdet Menschen, sie fuehrt sie zueinander, schenkt ihnen in gleichem Masze Verstaendnis und Liebe als auch Ablehnung, zeugt Freude so gut wie Neid und Missgunst. Die Protagonisten erfahren durch die Musik so viel Glueck und Leid, dass man als Leser nicht anders kann, als den Emotionen zu folgen, voller Betroffenheit und Mitgefuehl.

Dennoch verliert man nicht einen Moment die Tatsache aus den Augen, dass die Geschichte erzaehlt wird aus einer Perspektive der Traurigkeit und des Rueckblicks, einer Perspektive, die unaufhaltsam einem grausamen Ende entgegen strebt.

Richard Powers erzaehlt so weit abseits des gewohnten Mainstreams, mit einer solchen Inbrunst und Intensitaet, dass man nicht einen Moment zoegern moechte, um sich mit dem Schicksal der Familie auf jeder folgenden Seite vertraut zu machen, mit ihnen zu durchleben, was an Faehrnissen auf sie zukommt.

Doch so perfekt die Geschichte selbst erzaehlt wird, so beklemmend ist sie in ihrer Reflektion. Der tiefe, religoes und durch die Hautfarbe bedingte Zwist und Bruch zwischen Eltern und Kindern dreier Generationen einer Familie zeigt in seinem ganzen Verlauf die Dramatik der Entwicklung in den Vereinigten Staaten, und fuehrt vor Augen, was den meisten europaeischen Lesern wohl nicht gelaeufig sein wird: Die erschreckenden Ausmasze des Rassenhasses im Lande der Freiheit.

Am Ende bleibt der Leser zurueck mit einer Fuelle eigener Gedanken und Empfindungen, mit einer Fuelle eigener Sehnsuechte und Traeume, die sich wohl bei dem einen oder anderen vor dem Hintergrund des gerade gelesenen einen neuen Platz im eigenen Wertegefuege suchen werden.
lebenswaise am 21.8.07 18:53


Flamewar

Monate ins Land gegangen, diverse Konzerte gesehen, gehoert und erlebt, aber nicht hier darueber berichtet - das reale Leben haelt einen manchmal mit allen Krallen fest und laesst einfach nicht ein bisschen locker.

Gestern jedoch geschah etwas wirklich Bemerkenswertes in einer Kategorie, ueber die ich hier eigentlich nicht schreiben wollte: Ich konnte mein Flamewar-Portfolie mit einem wirklich guten Pro-PHP-Argument aufwerten. Es heiszt:

Wer PHP kann, wird morgens von Fleurop mit Blumen belohnt.

Ich sehe schon das grosze Fragezeichen in deinen Augen, lieber Leser. Was um alles in der Welt hat denn PHP mit Fleurop zu tun? Ich will es gern erklaeren.

Seit Jahren programmiert S unter anderem in der Sprache PHP und ist zusaetzlich im IRC unterwegs, einem Chatsystem, in dem es unter anderm einen internationalen "Raum" gibt, in dem man sich ueber diese Sprache (PHP) unterhaelt. Nun begab es sich, dass sich dort jemand (nennen wir ihn W) oeffentlicher Denkbefreitheit befleiszigte, so dass er des Chatraumes verwiesen wurde. W kam wieder, verbreitete erneut verwirrende Dinge und wurde zum zweiten Male des Raumes verwiesen. Einer der Raumbetreuer schlug daraufhin S vor, bei der naechsten Konfrontation mit W selbst als Verweisender taetig zu werden, was S mit einem "Das kann ich doch gar nicht, ich bin doch ein harmloses, liebes Maedel!" beantwortete. Das der Aussage folgende Amuesement kann der geneigte Leser sich sicherlich vorstellen.

Ein weiterer "Bewohner" dieses Chatraums - nennen wir ihn "I" - konnte sich kaum vorstellen, dass es sich bei S wirklich um ein weibliches Wesen handeln solle und schlug zur Ueberpruefung dieses Sachverhalts vor, ihn am Wochenende einzuladen. S, nicht auf den Kopf gefallen, erwiderte: "Natuerlich. Ich leite da eine Veranstaltung, hier ist die URL, lad dir die Anmeldung herunter, fuell sie aus und schick sie mir. Und dann sehe ich dich dort am Wochenende."

Stille.

Einige Minuten spaeter frug I: "Sagemal, ist das richtig, dass ihr da einen Schwertkampfworkshop macht?" "Klar," sagt S. "Und ein Mittelaltermarkt ist dort ebenfalls?" "Klar," sagt S. "Ich muss da hin!" sagt I, schickt die Anmeldedaten, organisiert sich sein Mittelalterzeug quer durch Deutschland (schwer! so ein Kettenhemd wiegt diverse Kilo, ein Schwert und ein Schild noch mehr ...) und verbringt ein Wochenende auf einer Veranstaltung, von der er noch nie zuvor gehoert hatte.

Sonntag, Abreisetag. I packt seine Sachen, verletzt sich durch einen dummen Zufall schwer an der Hand. S begleitet ihn ins Krankenhaus, bringt ihn mit frisch geroentgter Hand zurueck zur Veranstaltung. Problem: I ist mit dem Mietwagen da, den er aufgrund seiner Handverletzung nun sicher nicht mehr fahren kann. Zugfahrt ist auch eher keine richtig sinnvolle Loesung, da das Gepaeck einige Dutzend Kilo wiegt und nicht unbedingt in die Kategorie "moechte man mit einer Hand tragen, waehrend die andere verletzt ist" faellt. Loesung: S bietet an, I nach Hause zu fahren. Das beinhaltet einen unscheinbaren Umweg von ein paar hundert Kilometern und etwas Organisation (Eintragen von S als Fahrer auf dem Mietvertrag der Autovermietung, deren naechste Lokation zu weit entfernt ist, um sie noch waehrend der Oeffnungszeiten zu erreichen und die daher gern S' Fuehrerschein via Fax von der oertlichen Polizei haette; Klaerung einiger die Veranstaltungsorganisation betreffenden Fragen; usw. usf.). Abends gegen zehn fahren S und I vom Hof. Morgens halb eins sind sie am Ziel. Schlafen, aufstehen, Auto abgeben, Bahnticket erstehen, heimfahren.

Und gestern ist S noch nicht ganz wach, da klingelt es an der Tuer und ein Fleurop-Bote steht davor und liefert Blumen.


Moral: Ohne das Interesse fuer PHP haette S niemals den entsprechenden Chatraum aufgesucht, haette niemals auf eigene Unschuld angespielt, niemals I auf eine Veranstaltung eingeladen ... und so auch niemals die Blumen erhalten. Also merke:

Wer PHP kann, wird morgens von Fleurop mit Blumen belohnt.




PS: Natuerlich ist die Geschichte schon auf wenige Eckpunkte eingedampft.

PPS: Und um es noch mal anzumerken: Flamewars darueber, welche Sprache denn nun "die beste" sei, sind albern. Genauer, sie reizen maximal zum Kopfschuetteln, denn wer an dieser Stelle diskutiert, denkt in Bahnen, die der denkende Mensch weder nachvollziehen kann noch will. Es gibt einfach keine "beste Sprache", es gibt nur die unter gegebenen Umstaenden fuer eine bestimmtes Problem die Sprache, in der sich selbiges am effektivsten loesen laesst.
lebenswaise am 11.8.06 19:50


A-Cappella in Guetersloh (III)

Wieder Guetersloh, wieder Stadthalle, diesmal kleiner Saal. Wir befinden uns im Nachholkonzert der U-Bahn-Kontrolloere in tiefgefrorenen Frauenkleidern. Vielleicht ist der Termin am langen Wochenende nicht ganz gluecklich gewaehlt, vielleicht liegt es an dem Termindurcheinander, vielleicht auch einfach nur an der strahlenden Sonne - der Saal fuellt sich leider nur etwas mehr als zur Haelfte.

Einen Moment lang irritiert die fehlende Verdunklung des Saales, doch dann legen die Wildwest-Moenche los. Erfreutes Publikum, applaudierend. Doch der Schock folgt auf dem Fusze - die Kontrolloere wagen es doch tatsaechlich, sich in dem "guten Geschmack" zuwiderlaufende Kleidungsstuecke zu zwaengen und damit die Buehne enternd das Publikum zu schockieren! Nicht etwa, dass es Kuheuter und -schwaenze zu sehen gibt (das liesze sich ja vielleicht noch verkraften, wenn man seinen typischen Kneipenhumor zugibt als Publikumsinsasse), nein, sie wagen es als niedliche weisze Feinripp-Eingriff-Dickdarmzotten auf der Buehne zu erscheinen! Hier setzt jeglicher Humor der geschockten Zuhoerer aus, nur wenige wagen es, sich vor Lachen zu kruemmen.

Das Konzert meistern die fuenf Hessen in gewohnt professioneller Manier, doch ist ihnen hin und wieder anzumerken, wie schwer es faellt, mit einem Publikum zu interagieren, das sich weigert, sich auf die Gruppe einzulassen. Nur die selteneren Klatsch-Stellen (auf eins und drei, versteht sich) sowie leichte Anzueglichkeiten schaffen es weiterhin, die Sinne der Anwesenden zu erreichen.

Bedauerlich, dass das Guetersloher Publikum wenig geschult ist, Spasz auch an schwarzem, sich selbst nicht ernst nehmendem Humor zu finden. Moeglicherweise sind Acts wie die Kontrolloere einfach nicht haeufig genug im tiefen Ostwestfalen, moeglicherweise hatten sich einfach die falschen Besucher eingefunden. Trotz allem war die Show bemerkenswert und ein echter Lichtblick fuer all diejenigen im Auditorium, die sich auf die fuenf Saenger einlieszen.

An dieser Stelle ein groszes Lob an Ton und Licht: Keine Uebersteuerung, sauber auf den Punkt gesetzte Effekte, gute Auspegelung und sogar ein Vermindern der Lautstaerke funktionierte problemlos. Hervorragende Arbeit!
lebenswaise am 16.5.06 10:49


Auch Wölfe gehen mal ins Theater

Gelegentlich gehen auch Wölfe ins Theater. Ganz besonders gerne tun sie das, wenn es auch noch ein richtiges Highlight zu sehen gibt. Im Rahmen der diesjährigen Ruhrfestspiele in Recklinghausen gab es dieses Highlight. Richard II. wurde von der Old Vic Theatre Company inszeniert. Mit Kevin Spacey als König Richard II.

Die Inszenierung war sehr modern gehalten, das muss man dazu sagen. Es gab Videoaufzeichnungen und Leinwandprojektionen, Geschäftsanzüge, Sturmgewehre und auch Handys. Letzterer Punkt war so ziemlich das einzige Manko, welches ich anmerken muss. Es wirkte recht albern, die „schnellen Boten“ durch abgelesene SMS darzustellen, wenn auch Shakespeare im Original als SMS ein wirklicher Grund zum Schmunzeln ist.

Anfangs waren die Kostüme auch noch sehr an die erwarteten Kostüme angepasst, als jedoch die beiden Kontrahenten bei der „Gerichtsverhandlung“ im Dreiteiler auftauchten, war schnell klar, dass es im restlichen Stück wesentlich moderner zugehen wird. Was auch wirklich seine Wirkung zeigte und weder zu übertrieben, noch zu sehr verzerrend wirkte. Es gibt viele Theaterstücke, die man damit schlachtet, diesem jedoch hat die moderne Inszenierung (bis auf den oben erwähnten Wermutstropfen) gut getan.

Kevin Spacey hat eindrücklich und charmant gespielt, eine wirklich eindrucksvolle Version des König Richard. Sein Konterpart Henry Bolingbroke (gespielt von Greg Wise) war jedoch ebenfalls hervorragend. Die beiden haben sich gegenseitig die „Butter vom Brot“ gespielt, und es gab sehr zu meinem Leidwesen nur drei Szenen, wo sie gemeinsam auf der Bühne standen. Die vielen Sprechrollen, die Richard II als Stück selbst aufweist, haben auch dafür gesorgt, dass der Zuschauer nie dazu kam, Luft zu holen. Es war eine rasante und zugleich sehr melancholische Fahrt durch Shakespeares Tragödie. Ein gelungener Nachmittag, der sein Geld mehr als wert war.
Wolf am 9.5.06 15:17


A-Cappella in Guetersloh (II)

Gleicher Abend, gleiche Veranstaltung. Ein mitreiszendes, wenn auch (extrem bedauerlich!) letztes und damit Abschiedskonzert von Hop o' my Thumb. Mit ihrer hinreiszenden Show knisternder Erotik und vokalakrobatischen Stimmfeuers stuermten sie auch dieses Mal in die Herzen des Publikums, das teilweise viele hundert Kilometer angereist war, um der Dernière beizuwohnen.

Hop o' my Thumb sind Meister ihres Faches - von der freien Improvisation ueber Schnecken-Rap bis zur gefuehlvollen Ausgestaltung leiser Passagen beherrschen sie jede Nuance. Die Arrangements sind auf den Punkt gebracht; die Loopmachine wird zielgenau eingesetzt und wirkt nie wie komplex zu beherrschende Technik, sondern wie ein dazugehoeriges viertes Glied der Gruppe. Eine Lichtshow, die sauber auf die einzelnen Stuecke abgestimmt ist, und ein Tonkonzept, das natuerlich und klar wirkt, machen aus dem Auftritt ein angenehmes, rundes Erlebnis.

Keine Frage, dass Hop o' my Thumb am Ende mit frenetischem Applaus und Standing Ovations verabschiedet wurde.
***

Nachtrag: Erstaunlicherweise war die (nicht kleine) Buehne fuer die Praesenz der drei Akteure gerade ausreichend ...
lebenswaise am 9.5.06 15:10


A-Cappella in Guetersloh (I)

Ich bin ja nicht so fuerchterlich hart, was die Kritik angeht, aber es gibt Gruppen, bei denen man nicht einmal mehr selbst ein Statement abgeben muss, weil das Publikum es selbst tut. So geschehen auf der A-Cappella-Nacht in Guetersloh waehrend des letzten Konzertteils, der von The Buddhas bestritten wurde: Aus dem vormals angenehm zu 2/3 gefuellten Saal (geschaetzte Kapazitaet ca. 1000 Leute) wurde innerhalb von nur einer Stunde ein zu gerade mal einem Viertel gefuellter Saal.

Kurz zusammengefasst: Ein Soundteppich, dem jegliche Mitten fehlten, ein Tonmixer, dessen Kreativitaet und Leistungsfaehigkeit mit der Hoehe ueber NN, bezogen auf die Herkunft der Buddhas (Hamburg), sowie der dortigen Geografie uebereinstimmte, Moderationen, die man nach den rund 15 Jahren, die die Buddhas jetzt im Geschaeft sind, deutlich besser erwarten kann und die zudem groszflaechig als unverstaendlicher Tonbrei ins Publikum schallten, eine Buehne, die fuer die fuenf Leute ueberdimensioniert wirkt, Choreografien, die gelinde als uninspiriert zu bezeichnen waren, und dazu ein Programm, dessen Groszteil ich schon vor vielen Jahren in deutlich besserer Form von damals erschienenen Buddha-CDs gehoert hatte, sind nicht wirklich das, was ich mir unter einem gelungenen Auftritt innerhalb einer A-Cappella-Nacht vorstelle.

Man muss zur Ehrenrettung festhalten, dass der Neuzugang (Katrin Wulff) eine wirklich schoene Stimme hat, die man gern hoeren mag. Und dass der Anfang ihrer Version von "Amazing Grace" echtes Potential aufzeigt.

Trotzdem bleibt unter dem Strich ein eher unangenehmer Nachgeschmack.
lebenswaise am 9.5.06 14:52


Girls' Day

Am 27. April ist es wieder so weit - Schuelerinnen der Mittel- und Oberstufe werfen einen Blick in die Betriebe und werden dort an technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Berufe herangefuehrt. Diese Heranfuehrung sollen moeglichst Frauen uebernehmen, die in diesem "maennergepraegten Umfeld" berufliche Erfahrung oder sogar eine gewisse Karriere vorzeigen koennen.

Was mich in dem Zusammenhang interessiert, gibt es eigentlich Statistiken ueber die Wirksamkeit des Girls' Day? Mich wuerde es sehr wundern, wenn sich die ueber Jahre gewachsene Einsicht, was denn nun "Frauen-" respektive "Maennerberufe" sind und wo sich frau spaeter wiederfindet, an einem einzigen Tag durch eine Unmenge kurzer Gespraeche mit Frauen an deren Arbeitsplatz veraendert.

Ich will nicht abstreiten, dass es sinnvoll sein kann, den jungen Damen das Vorhandensein solcher Berufsausuebenden zu zeigen, nur lehrt mich die Erfahrung der letzten derartigen Veranstaltungen, dass diese Berufswahlen eher als "erschreckende Beispiele unfraulichen Verhaltens" gewertet werden.

Interessanterweise scheinen die Schuelerinnen inzwischen auch sehr gern frueh naturwissenschaftliche Faecher abzuwaehlen oder ihnen zumindest nur geringes Interesse entgegen zu bringen. Nur, was kann man ohne grundlegende Kenntnis naturwissenschaftlicher Zusammenhaenge heutzutage noch werden? Wenn selbst Mathematik ein inzwischen eher geschmaehtes Pferd ist?
lebenswaise am 19.4.06 14:38


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